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Auto-Hacking – die nächste Herausforderung für die Cybersicherheit
Perspektiven

Auto-Hacking – die nächste Herausforderung für die Cybersicherheit

Sicherheitsforscher kapern ständig Autos. Hier erfahren Sie, was ich bei einem DEF CON-Hacking-Wettbewerb über Angriffe auf Fahrzeugsysteme gelernt habe.

Diebe müssen keine Scheiben einschlagen, um in Ihr Auto einzubrechen. Mithilfe einer Taktik namens „ -Rollback“ ist es bereits so einfach, sich Zugang zu verschaffen, wie mit einem Mobilgerät aufzuzeichnen, wie der Besitzer den Schlüsselanhänger betätigt, um die Türen zu verriegeln und zu entriegeln, und diese Aufzeichnung anschließend abzuspielen, um das Fahrzeug zu öffnen.

Das ist eine der Erkenntnisse, die ich diesen Sommer gewonnen habe, als eine Handvoll meiner Studienfreunde und ich an der „Capture the Flag- -Challenge (CTF)“ im „Car Hacking Village“ der „ “ auf der DEF CON 30 unter teilgenommen haben.

Um es klar zu sagen: Wir haben uns nicht strafbar verhalten. Wir gehörten zu einer Reihe von Teams, die versuchten, sich in virtuelle – oder „Cloud“-Autos – einzuhacken. Wir traten gegeneinander an, um Flaggen zu sammeln, indem wir Aufgaben wie das Ablesen der Fahrzeugidentifikationsnummer (VIN), das Öffnen von Türen und das Auslösen des Airbags erledigten – alles über den CAN-Bus (Controller Area Network), der es Mikrocontrollern und Geräten ermöglicht, ohne Host-Computer miteinander zu kommunizieren.

Wir konnten den Airbag zwar nicht auslösen, haben jedoch die Fahrgestellnummer ermittelt und bei anderen Herausforderungen gute Ergebnisse erzielt, beispielsweise beim Zugriff auf Bluetooth – ein Angriffsvektor, der im Zusammenhang mit „ “ oft übersehen wird. Letztendlich konnten wir uns in diesem Jahr darüber freuen, unter fast 100 Teilnehmern den siebten Platz zu belegen.

Schwachstellen, nach denen Diebe suchen

Das VIN ablesen, den Schlüssel fernbedienen

Die Sicherheit der Fahrgestellnummer ist wichtig. Diese langen Codes sind so etwas wie Sozialversicherungsnummern für Autos. Genauso wie jemand eine Sozialversicherungsnummer nutzen könnte, um Konten zu kapern und Eigentum zu stehlen, können Fahrgestellnummern dazu verwendet werden, ein Fahrzeug auf den Namen eines Diebes umzumelden, einen Versicherungsanspruch geltend zu machen oder gefälschte Kennzeichen herzustellen, die an einem gestohlenen Fahrzeug angebracht werden können.

Eine weitere Sicherheitslücke, die auf der DEF CON untersucht wurde, war die Möglichkeit für Cyberkriminelle, sich Zugang zu Fahrzeugschlüsseln zu verschaffen. Heute sind mindestens 91 % der verkauften Fahrzeuge mit schlüssellosen Zündsystemen ausgestattet, die auf der Schlüsselanhänger-Technologie basieren. Diese Fernbedienungen enthalten RFID-Chips (Radio-Frequency Identification) sowie Antennen zur Kommunikation mit dem Fahrzeug. Drücken Sie eine Taste, und die Türen öffnen sich. Drücken Sie eine weitere Taste, und das Auto springt an.

Schlüsselanhänger sind äußerst praktisch. Doch wie sicher sind sie? Die Antwort lautet: „einigermaßen.“

Jedes drahtlose und vernetzte Gerät ist anfällig für Angriffe, und die zugrunde liegende Hardware und Software weisen häufig Schwachstellen auf, die ausgenutzt werden können. So sind Cyberkriminelle beispielsweise bereits seit mehreren Jahren in der Lage, Sicherheitslücken auszunutzen, die in funkfähigen Geräten bestehen, welche in vielen Fahrzeugen zur Kommunikation mit den Schlüsselanhängern verwendet werden. Gelingt dies den Hackern, können sie diese digitalen Schlüssel klonen und innerhalb von Sekunden davonfahren.

[Lesen Sie auch: Wie Führungskräfte in der Wirtschaft Hackerangriffe auf Fahrzeuge vermeiden können]

Tatsächlich haben 2020 Forscher in Belgien Berichten zufolge Sicherheitslücken in Fahrzeugen der Marken Toyota, Hyundai und Kia entdeckt, die dies möglich machen könnten. Vor kurzem soll ein Forscher in Österreich der Zeitung „ “ aufgezeigt haben, wie ein Tesla-Update es Hackern ermöglichen könnte, innerhalb von 130 Sekunden nach dem Entriegeln des Fahrzeugs mithilfe eines NFC-Chips (Near-Field Communication) einen eigenen Schlüssel zu erstellen. Und im August zeigten Forscher auf der Black Hat, der Schwesterkonferenz der DEF CON, wie einfach es war, die begrenzten Sicherheitsfunktionen eines Schlüsselanhängers zu umgehen.

Die Automobilhersteller wissen, dass schlüssellose Zündsysteme anfällig für Angriffe sind, da es bereits zu Diebstählen gekommen ist. Im Jahr 2020 wurden mindestens 93 % der Fahrzeuge, die von Tracker – einem System zur Wiederbeschaffung gestohlener Fahrzeuge im Vereinigten Königreich – wiedergefunden wurden, mithilfe von Relay-Angriffen entführt. Bei diesen Angriffen nutzen Kriminelle elektronische Geräte, um das von einem Schlüsselanhänger ausgesendete Signal abzufangen.

Autodiebe schleichen sich so nah wie möglich an den Schlüsselanhänger heran, der sich in Ihrer Wohnung befindet. Ein weiterer Dieb steht neben Ihrem Fahrzeug, um das weitergeleitete Signal zu empfangen, öffnet das Fahrzeug und lässt es anschließend starten. (Sehen Sie sich dieses Video unter an, um zu erfahren, wie es funktioniert.) Allerdings könnten die unglückseligen Diebe laut der American Automobile Association das Auto ohne den Original-Schlüssel möglicherweise nicht starten.

Was wäre, wenn?

Jedes Jahr werden Millionen von Privatfahrzeugen gestohlen. Doch was hindert Hacker daran, Fahrzeuge aus Unternehmensflotten und von Mitfahrdienst-Parkplätzen in großer Zahl zu entwenden?

Um es klar zu sagen: Ein Großteil der heutigen Aktivitäten im Bereich des Auto-Hackings wird von verantwortungsbewussten Sicherheitsforschern wie mir durchgeführt, deren Ziel es ist, die Grenzen der Fahrzeugsicherheit zu erweitern. Und, um fair zu sein, die Automobilhersteller haben große Anstrengungen unternommen, um die Sicherheit ihrer Fahrzeuge zu gewährleisten, und werden dabei immer besser.

„Was hindert Hacker daran, Fahrzeuge aus Unternehmensflotten und von Mitfahrdienst-Parkplätzen in großem Stil zu entwenden?“

Das bedeutet jedoch nicht, dass Hacker angesichts der Komplexität moderner Fahrzeuge nicht irgendwann doch ihr Ziel erreichen werden. Wie Endpoint- in einem Artikel auf über Hackerangriffe auf Fahrzeuge darlegte, enthalten Fahrzeuge bis zu 150 elektronische Steuergeräte (ECUs) – Computerchips, die alles steuern, von der Zündung und dem automatischen Bremssystem bis hin zu Umwelt- und Infotainmentsystemen. Diese Chips kommen zunehmend in Systemen zum Einsatz, die über die Cloud miteinander verbunden sind. Tatsächlich werden laut dem Beratungsunternehmen Frost & Sullivan bis zum Jahr 2025, 86 % der Autos , die vom Band laufen, voraussichtlich vollständig vernetzt sein.

Weitermachen

Autofahrer sollten bei der Verwendung von Fernbedienungen sowohl auf der Straße als auch abseits der Straße Vorsicht walten lassen. Zu den sichereren Methoden gehört es, den Metallschlüssel im Schlüsselanhänger so oft wie möglich zu verwenden oder den Schlüsselanhänger selbst durch Einlegen in eine Box zu schützen, die elektromagnetische Felder abschirmt.

Die Automobilhersteller sollten unterdessen weiterhin mit Forschern zusammenarbeiten, um die Zukunft der Fahrzeuge zu sichern. Sie wissen, dass Hardware und Software im Automobilbereich immer komplexer und vernetzter werden und daher anfälliger für Angriffe sind. Die Schwachstellen könnten noch deutlicher zutage treten, sobald autonome Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind und für die Navigation auf vernetzte Technologien angewiesen sind.

[Lesen Sie auch: 5 Diagramme, die zeigen, dass es sich lohnt, Cyberangriffe zu verhindern, anstatt sie zu bekämpfen]

Es gibt keine einfachen Antworten. Die Automobilhersteller sollten jedoch ihre Sicherheitsmaßnahmen im Automobilbereich verstärken, beispielsweise durch Einbruchserkennungssysteme (IDS) und Einbruchschutzsysteme (IPS), die externe Angriffe erkennen und abwehren. (CanBusHack, Escrypt, Vector, Intrepid Control Systems sowie weitere Unternehmen sind auf die Forschung im Bereich der Fahrzeugsicherheit spezialisiert.)

Die Automobilhersteller sollten zudem ihre Branchenpartnerschaften weiter ausbauen, die auf die Maximierung der Fahrzeugsicherheit abzielen, ähnlich wie der „ “ BlackBerry IVY Advisory Council – eine Brancheninitiative zur Förderung der Entwicklung von Technologien zum Schutz fahrzeuginterner Daten. (Zu den Partnern des Beirats zählen Here Technologies, Cerence, Telus, Geico und AWS.)

Die Sicherheit von Kraftfahrzeugen muss für alle weiterhin oberste Priorität haben. Wenn schon ein Teilzeit-„Hacker“ wie ich in Autos eindringen und die Kontrolle über Daten und Systeme übernehmen kann, dann können dies auch bösartigere und entschlossenere Cyberkriminelle. Wir müssen wachsam bleiben, um einer Gefahr vorzubeugen, die wahrscheinlich auch auf Dauer bestehen bleiben wird.